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Gas statt Kohle

MZ 30.01.2019

Die Tage des Braunkohlekraftwerks in Schkopau sind gezählt. Im Zuge des Ausstiegs aus der Kohleverstromung soll die Mitte der 90er Jahre ans Netz gegangene Anlage zwar bis mindestens 2035 laufen, doch spätestens 2038 soll sie endgültig heruntergefahren werden. Ein heftiger Einschnitt, liefert das Kraftwerk doch nicht nur Strom für Chemie, Bahn und öffentliches Netz, sondern bietet auch Arbeitsplätze und nicht unerhebliche Einnahmen für die Kommunen durch die Gewerbesteuer. Wie soll es also künftig weitergehen?

Ideen, wie der Strukturwandel gelingen könnte, hat die sogenannte Kohlekommission vorgelegt. 113 Projekte hat das Expertengremium vorgeschlagen, gut 20 könnten direkt im Saalekreis umgesetzt werden. "Es ist wichtig, sich dafür stark zu machen, keine Industrie zurückzubauen, bevor nicht neue Strukturen entstanden sind", betont auch Christof Günter, Geschäftsführer der InfraLeuna. Mit Blick auf den Chemiestandort hat er vor allem das Thema Energieversorgung im Sinn: "Auch wenn wir dabei gut aufgestellt sind, müssen wir kritisch hinschauen, wie sich die Netzstabilität entwickelt." Was die Umsetzung einzelner Projekte zudem schwierig macht: Der Maßnahmenkatalog der Kommission ist nur eine Empfehlung: "Solange wir nicht wissen, welche konkrete Ausgestaltung er annimmt, können auch wir nicht planen", sagt Christof Günther.

Dabei spricht die Kommission in ihrer Liste bereits eine Reihe konkreter Projekte am Chemiestandort Leuna an, nennt unter anderem die Dekarbonisierung im von der InfraLeuna verantworteten Güterverkehr. Elektro- und Dampfspeicherloks sollen angeschafft, Gleisanbindungen ausgebaut werden. Darüber hinaus sieht die Kommission Potenziale im Bereich Biochemie: Unter Federführung des Fraunhofer-Zentrums CBP und der Hochschule Anhalt soll ein Kompetenzzentrum Algen aufgebaut werden, das Lösungen für die Lebensmittelindustrie schaffen und attraktive Produkte für Trendmärkte entwickeln soll. Parallel dazu hat das Land bereits Millionen von Euro für den Aufbau der ebenfalls von Fraunhofer entwickelten Pilotanlage Carbontrans bereitgestellt. Kohlenstoffträger sollen dabei nicht verfeuert, sondern stofflich genutzt werden. In diesem Zusammenhang schwebt der Kommission eine regionale Vernetzung mit weiteren Forschungseinrichtungen vor.

Apropos Forschung: Zank hat die Expertengruppe derweil mit dem Vorstoß provoziert, an der Uni Halle eine technische Fakultät einrichten zu wollen. 15 Lehrstühle könnten diesbezüglich entstehen. Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) lehnt das jedoch ab, verweist zum einen auf die Grundsatzentscheidung, technische Studiengänge allein in Magdeburg anzusiedeln. Zudem sieht er Hochschulen wie die in Merseburg und Köthen eher dafür geeignet. "Das ist auch richtig so, zumal wir uns in der Vergangenheit genau so verständigt haben", erklärte am Dienstag Jörg Kirbs, Rektor der Hochschule Merseburg, der auch von den entsprechenden Kapazitäten nicht nur an seiner Einrichtung, sondern auch an der Hochschule Anhalt und der HTWK in Leipzig ausgeht. Kirbs betrachtet die Ideenliste mit Skepsis: "Es muss mit Abstand und Sachverstand bewertet werden, wie geeignet die einzelnen Vorschläge tatsächlich sind", meinte der Rektor.

Fest steht, dass die Frage, was denn nach dem Aus für das Kohlekraftwerk in Schkopau kommt, schnell geklärt werden muss. Denn bis 2035 bleibt nicht viel Zeit. Die Kohlekommission sieht zumindest eine Zukunft für den Standort Schkopau: Ein Gaskraftwerk soll entstehen, um "Brüche in umliegenden Wirtschaftsstrukturen zu vermeiden". Zunächst soll der Bedarf jedoch geprüft werden.